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Der Samariterbund Österreichs (ASBÖ)


Vor dem ASBÖ

In der Zeit vor der industriellen Revolution lag die Versorgung von Kranken und Verunglückten je nach sozialem Stand in den Händen der Wund- und Sprengelärzte, der städtischer Bürgerspitäler oder der karitativen kirchlichen Einrichtungen in Stadt und Land. Auch im militärischen Bereich, wo es um die Versorgung verletzter Soldaten ging, trug man Kenntnisse der Heilkunst zusammen.

Seit dem späten 18. Jahrhundert formte sich nach und nach ein öffentliches Rettungswesen, das jedoch einem Großteil der stets wachsenden Bevölkerung nur ungenügend zu Gute kam. Durch das Anwachsen der Städte und die neuen Gefahren der industriellen Arbeitswelt wuchs die Notwendigkeit privat organisierter Rettungsgesellschaften. Diese sollten Patienten erstversorgen und der Obhut der öffentlichen Kranken-fürsorgezuführen, wie es sich etwa die 1881 gegründete „Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft“ zum Ziel setzte.

In Berlin wurde 1888 der „Arbeiter-Samariterbund Deutschlands“ gegründet, der in der Versorgung von verletzten Arbeitern am Arbeitsplatz sein vorrangiges Ziel sah. Stand „Samariter“ bereits vorher für barmherzige Hilfeleistung, so sprach man mit dem Begriff „Arbeiter“ bewusst unterprivilegierte Bevölkerungsschichten an.


Der ASBÖ in der Ersten Republik

Im Gegensatz zur deutschen Schwesterorganisation hat der ASBÖ vielfältige Wurzeln in den Arbeiterzusammenschlüssen der Ersten Republik.

Innerhalb des Arbeiterbundes für Sport und Körperkultur (ASKÖ) wurde 1927 ein Österreichischer Arbeitersamariterdienst ins Leben gerufen, der die Aufgabe hatte, bei Sport- und Freizeitunfällen Erste Hilfe zu leisten. Im Rahmen des Arbeiter-Schwimmvereins begann sich auch eine eigene Wasserrettung zu etablieren. Bereits früher fassbar sind Sanitätskräfte innerhalb des Republikanischen Schutzbundes, der bewaffneten Arbeiterwehr innerhalb der sozialdemokratischen Partei.

Der Wille zur Ersten Hilfe für alle, auch politische Gegner, musste in Konflikt mit den parteipolitischen Gräben jener Jahre geraten. Auch der Versuch, 1932 durch die Gründung eines eigenen zivilen Arbeiter-Samariter-Bundes, der bewusst aus dem Schutzbund herausgelöst wurde, eine Entmilitarisierung bzw. Entpolitisierung der Ersten Hilfe zu erreichen zerreichen, war von beschränkter Wirksamkeit.

Nach bürgerkriegsähnlichen Aufständen und Gefechten verboten 1934 die Organe des Ständestaates die politische Sozialdemokratie und alle Arbeiterorganisationen. Auch der ASBÖ wurde als Verein aufgelöst, sein Vermögen und die Ausrüstung beschlagnahmt.


Die 1940er und 1950er Jahre

Nur in der Schweiz und in Schweden wurde der Arbeiter-Samariterbund während des Zweiten Weltkrieges nicht aufgelöst. Schweizer Samariter wollten nach dem Krieg in Wien Lebensmittellager einrichten und nahmen zu diesem Zweck Kontakt mit ihnen bekannten Samaritern auf. So formierte sich der ASBÖ 1947, gestützt auf Geld- und Materialspenden, in Wien neu.

Noch 1948 wurde in Eichgraben (ein Ort in der Nähe Wiens) das erste Rettungsfahrzeug in Dienst gestellt, schnell konnte der ASBÖ auch an seine frühere Tätigkeiten im Bereich des Wintersport-Unfalldienstes und der Wasserrettung an knüpfen. Beim Donau-Hochwasser 1954 bewährte sich der ASBÖ außerdem in der Katastrophenhilfe und setzte seine internationalen Kontakte zum Wohle der Bevölkerung ein.

Auch während der Ungarn-Krise 1956 kam dem ASBÖ dank seiner weit-rechenden Beziehungen eine Schlüsselstellung bei der Organisation und Koordination von Hilfsgütertransporten aus aller Welt zu. In einer enormen materiellen und personellen Leistung wurden 300.000 Flüchtlinge bereits an der Grenze medizinisch versorgt, verpflegt, untergebracht und zum größten Teil in Zugtransporten zu den Häfen und zu ihren Emigrationsländern begleitet.


Die 1960er und 1970er Jahre

Durch die Ungarnhilfe war der ASBÖ in breiteren Bevölkerungsschichten bekannt geworden. Man konnte nun daran gehen, das Samariterwesen einer größeren Öffentlichkeit näherzubringen.

Der ASBÖ tat dies etwa, indem er bereits in den Sechzigerjahren freiwillige Erste-Hilfe-Kurse für Führerscheinwerber anbot und damit die gesetzliche Regelung gleichsam vorwegnahm. Als 1973 Kurse für Sofortmaßnahmen am Unfallort verbindlich wurden, konnte der Gesetzgeber auf die Erfahrungen des ASBÖ zurückgreifen.

Auch in den Bereichen der Katastrophenhilfe, dem Strahlenschutz und dem ordentlichen Zivildienst wurde der ASBÖ zu einem unerlässlichen Ansprechpartner und wichtigen Mitarbeiter der offiziellen Stellen. Daneben kamen viele Menschen mit dem traditionellen Sanitätsdienst des Samariterbundes in Berührung. Beim Kinderlager ebenso wie auf dem Wienerwald-Schiwiesen im Winter.

Seit 1971 verfügte der ASBÖ zudem über eine neue Heimstätte: Das umgebaute Gebäude in der Pillergasse 24 im XV. Wiener Gemeindebezirk, ursprünglich eine Desinfektionsanstalt der Wiener Rettung, wurde als neue Bundeszentrale in Betrieb genommen.

Als der ASBÖ 1977 mit einem internationalen Ersten-Hilfe-Wettbewerb sein fünfzigjähriges Bestehen beging, konnte man auf ein großes Tätigkeitsspektrum und breite Anerkennung im In- und Ausland verweisen.


Die 1980er und 1990er Jahre

Mit der rapiden Entwicklung der Gesellschaft am Ende des Jahrhunderts mussten sich auch die Ziele und Tätigkeitsbereiche des Samariterbundes nachhaltig wandeln.

Die Leistung sozialer Dienste trat dabei immer mehr in den Vordergrund, da die Bedürfnisse kranker, alter und behinderter Menschen weit über den Krankentransport hinausgehen. Der ASBÖ profiliierte sich etwa durch die Errichtung des Seniorenalarms, die Unterstützung Behinderter beim Einkauf und die Vermittlung von Heimhilfen. Seit 1967 konnten Behinderte in dem vom ASBÖ mitorganisierten „Sonnenzug“ einige Tage im Ausland Urlaub machen.

Häuser mit Zelt Im Bereich der Sport- und Freizeitveranstaltungen wuchsen die Anforderungen an den Sanitätsdienst ebenfalls. So betreute der ASBÖ in den 80er und 90er Jahren neben dem Wiener Stadtmarathon und dem Donauinselfest auch zahlreiche andere Veranstaltungen, von Maikundgebungen bis zu den beiden Papstbesuchen in Österreich, vom Jazzfest Wiesen bis zum alljährlichen Ferienspiel für Kinder.


Der ASBÖ heute

Der ASBÖ verbindet heute historisches Verantwortungsbewusstsein mit moderner Technologie und Logistik.

Rettungseinsatz und Krankentransport werden stets effektiver. Mit Hilfe hochentwickelter Computersysteme von der Zentrale aus gesteuert nehmen die Fahrzeuge des ASBÖ allein in Wien an Spitzentagen über 1000 Transporte täglich vor. Für Fälle medizinischer Notversorgung stehen Tag und Nacht Notarzt-Fahrzeuge bereit.

Neben zahllosen Aktivitäten – Schulungen, Information von Senioren, Kindern und Erwachsenen, Ausbildung von Ersthelfern u.v.m – bewahrt der ASBÖ stets sein soziales Engagement für Hilfsbedürftige im In- und Ausland: Samariter helfen der notleidenden Bevölkerung in Rumänien, Bulgarien, Russland oder im Kosovo ebenso wie den österreichischen Hochwasseropfern, Obdachlosen oder Asylanten.

In steter Ausbildung befinden sich auch die „Sozialen Dienste“, also die Betreuung älterer Menschen zu Hause bzw. im 2005 errichteten ASBÖ-Pflegezentrum Stubenberg in der Steiermark. Die Idee des ehemaligen „Sonnenzuges“, behinderten Kindern in einem speziell ausgestatteten Zuges kurze Ferien zu ermöglichen, wird vom ASBÖ seit einigen Jahren in Form des „Nikolozuges“ neu belebt.

Mit den „Mobilen Ambulanzen“ setzte der Samariterbund nach der Befreiung des Kosovo 1999 ein neues Konzept zur Versorgung der Bevölkerung nach Krisen ein. Zu Ambulanzen umgebaute Lastwagen fuhren täglich in ein anderes Gebiet um medizinische Basisversorgung zu leisten.

In den Statuten hat sich der ASBÖ zum Ziel gesetzt, allen hilfsbedürftigen Menschen – ohne Unterschied der Nationalität, Religion oder politischen Gesinnung – zu Hilfe zu kommen. In diesem vorrangigen Ziel spiegeln sich die historischen Wurzeln, die konkreten Bemühungen der Gegenwart und die zukünftigen Aufgaben des Samariterbundes, der 2007 in diesem Sinn sein achtzigjähriges Jubiläum gefeiert hat.

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